Weblogs 4 Beginners

Was Weblogs sind und können, dazu äussere ich mich ab und zu in der entsprechenden Rubrik des Blogs meiner Arbeitgeberin, der Münstergass-Buchhandlung. Dort finden sich auch viele erklärende Links. Was Weblogs als neues Genre für eine Bedeutung haben und was sonst so Nutzbringendes läuft in der Informationsgesellschaft, überlege ich zusammen mit meinen Branchenkolleginnen und -kollegen ebenfalls dort.
Wie Weblogs im Lehr- und Lernbereich (speziell an Universitäten) eingesetzt werden können, dazu hat der pfiffige Herr Röll eine ausgezeichnete Zusammenstellung gemacht.

Kolonialsprache Englisch?

Eine meiner Schülerinnen vertrat die Meinung, es sei kolonialistisch, dass sowohl das Internet wie auch die globalisierte Businesssprache Englisch sei (Englisch ist auch Messesprache in Frankfurt).
Im Buchhandel ist es wichtig, Meinungen gut zu reflektieren und auch in der Lage zu sein, damit hinter dem Berg zu halten. Dieses Thema beschäftigt uns immer wieder und es wäre spannend gewesen, auf die Diskussion einzusteigen. Aber die Zeit hat gefehlt und viele in der Klasse waren nicht interessiert.
So habe ich als Feedback einen Eintrag ins Blog „meiner“ Buchhandlung gemacht und ihr den Link geschickt. Sie hätte also die Möglichkeit gehabt, das wieder zu kommeniteren und konnte davon ausgehen, dass ich antworten würde. Sie hat sich jedoch nicht mehr geäussert, aber sie schien zufrieden, dass ich darauf eingegangen bin.
Und ich bin etwas stolz, dass ich ihr auch noch einen Buchtipp dazu „untergeschoben“ habe. Wer weiss, vielleicht kann sie das Büchlein einmal empfehlen. Einer Lehrerin zum Beispiel.

Ziel Praktikum Ziel

Worum geht es im praktischen Teil? In Prosa, frei nach Kursunterlagen:
Ich bin in der Lage, Unterricht zu beobachten und meine Wahnehmung zu formulieren. Wenn es gut läuft – und das glaube ich, dass es das wird – motiviert mich das Hospitieren, mein Lehr- und Lernverständnis und meinen Unterrichten zu thematisieren und zwar so, dass ich und andere es verstehen. Ein praktischer Pflichtteil ist ein immer ein Anstoss sich auszutauschen und Theorie und Praxis zu verknüpfen.
Als Übungs- und Praktikumslektionen gelten „systematisch reflektierte Lektionen“, wobei ich hier Interpretationsspielraum sehe. Die Reflexion ist kein Sololauf, sondern wird gemeinsam mit anderen durchgeführt oder basiert auf Rückmeldungen der Lernenden zum Unterricht.

Gilles im Verkaufsgespräch

Lieber Gilles
33 Mal hast du an der praktischen Prüfung im vergangenen Juni Bücher gekauft. Du hast das Hin- und Her, das Notebookgetippe und die Hitze gelassen ertragen. Du hast dein Kundenprofil von Medizin über Kochbuch via Theologie bis zum Kinderbuch spielend geändert. Cool hast du im Bauch deiner Expertinnen-Mutter gesessen und dich schlau machen lassen von den engagierten Lehrlingen der Abschlussklasse, von denen nicht eine/r ungenügend war beim Verkaufsgespräch.
Seit dem 9. Oktober bist du nun auf der Welt. Willkommen! Grüss mir deine Expertinnen-Mutter und rüste dich für die nächste Runde, die LAP-Planung hat schon begonnen.

Freude über Freude

Letzte Woche hat mich eine Lehrfrau gefragt, ob ich ihr meinen SPIEGEL zum Schillerjahr (sein 200 Todestag wird am 9. Mai 2005 sein) überlassen könne. Konnte ich nicht, war noch nicht fertig mit Lesen, aber habe versprochen, diese Woche mitzubringen. Habe ich gestern auch gemacht. Sie hatte grosse Freude, dass ich es nicht vergessen hatte, ich hatte grosse Freude über ihre grosse Freude. Und so ist der schöne Götterfunken über die Jahrhunderte gesprungen, just zu mir ins Schulzimmer.

Reflexion über ein Gedicht

„Unterrichten als Kunst“ ist ein Buch und ein Gedicht von Peter Wanzenried.
Unterrichten als Kunst,
in den Vordergrund zu treten:
Erzählend, darstellend, gestaltend
der Sache ihre Bedeutung geben.
Präsent und glaubwürdig vertreten,
was mir wichtig ist.
Unterrichten als Kunst,
in den Hintergrund zu treten:
Betrachtend, begleitend, ermunternd
dem Menschen seine Bedeutung geben.
Sorgfältig und zurückhaltend verstehen,
was er erkannt hat.

Unterrichten als Kunst,
in den Kreis zu treten:
Teilnehmend, aufnehmend, mitteilend
der Klasse ihre Bedeutung geben.
Befreidend und schützend miterleben,
was uns geschieht.

Unterrichten als Kunst,
aus dem Kreis heraus zu treten:
Bestimmend, fordernd, kontrollierend

der Aufgabe ihre Bedeutung geben.
Verbindlich und zuversichtlich verlangen,
was zu leisten ist.

Unterrichten als Kunst,
im Gleichgewicht zu bleiben
im Wechselspiel dieser Bewegung.

Das Gedicht als solches trifft meinen Geschmack nicht, Metrum und Form widerstreben mir regelrecht. Und weil ich hier reflektieren will und muss, frage ich mich, warum mir das nicht gefällt. Es ist mir zu „gspürig“ „auserwählt/esoterisch“ und der „Kreis“ nervt mich besonders, weil er in der Lehrerfortbildung einfach überstrapaziert wird.
(Klammer auf für das Wort „Lehrerfortbildung“. Fortbildung am Schwarzen Brett des Lehrerzimmers, in der Mailbox und auf der Powerpointvorlage sowie in der Einladung zur gemeinsamen Bildungsreise erinnert mich immer ans Wegrennen. Und beinhaltet für mich auch einen Befehl, der „fort Bildung!“ heisst. Klammer zu.)
Ich weiss, der „Kreis“ – der gehört einfach zum Unterrichten und „Zirkel“ ist auch keine Alternative.
Was mir am Gedicht gefällt, sind die Aussagen, dich ich hier hervorgehoben habe. Was mir im Gedicht fehlt, ist das „Mitgefühl“ das „sich Hineinversetzen in die Lernenden“, „teilnehmend“ ist mir nicht genug . Dieses „Mitempfinden“ ist für mich der essentielle Teil der Pädagogik und lustigerweise auch der wichtigste Teil meines Berufes als Buchwerberin.

Feuilleton

Heute will ich mit dem 2. Lehrjahr ansatzweise Rezensionen schreiben. Ziel ist, dass die Lernenden Buchtipps und Rezensionen unterscheiden und beurteilen können.
Buchtipps sind Empfehlungen, das kennen in der Regel alle angehenden Buchhändlerinnen und Buchhändler.
Rezensionen sind Kritiken. Das ist schwieriger zu machen, denn das ist journalistische Arbeit und ein Bestandteil des Feuilletons.
Und jetzt das. Jetzt sagt die Frankfurter Rundschau das Feuilleton tot. Völlig ungeachtet meines „Präps“.

Portfolio nach Dr. Jabornegg

Dem Dr. Jabornegg verdankt dieses Weblog seinen Namen. Im Gegensatz zu mir liebt er Powerpointvorlagen und hat eine originelle Folie kreiert:
Portfolio-Ansatz: Kern
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Portfolio = Lernprodukt + Schulung der Lernkompetenz
Ich bin dafür, die Dinge so kurz wie möglich zu formulieren, aber lieber nicht kürzer. Diese Formel sagt nur denen etwas, die es ohnehin schon wissen. Es ist eine Reduktion auf Null. Das macht sie absurd und darum gefällt sie mir.

Dur und Moll

Theres‘ Denkaufgabe hatte noch einen zweiten Teil:
2. Suche je ein positives und ein negatives, prägendes schulischen oder ausserschulisches Lernerlebnis [Lerner-Lebnis] und überlege dir:
a) Welche Personen, Orte, Institutionen spielten eine wichtige Rolle?
b) Welche weiteren „Faktoren“ spielten möglicherweise auch eine zentrale Rolle? Z.B. Lebensphase, Lernklima, Lernbereitschaft, Lernerfolge.
c) Welche Gefühle waren damit verbunden?

Das Positive habe ich beschrieben. Ich hatte wenige negative Lernerlebnisse in Schulen oder Institutionen, ich habe immer gerne gelernt und selten Motivationsprobleme. Als negatives Lernerlebnis kann ich höchstens den Singunterricht nennen. Wegen der Singlehrerin die mich stets warnte, dass meine mangelnde Fähigkeit Dur und Moll zu unterscheiden mir lebenslang jedes Konzert vermiesen würde. Das habe ich gehasst und sie selber habe ich auch nicht gemocht, sie war eine Sopranistin mit Kinderlähmung und ihr Name ist mir entfallen (Fräulein Lüscher könnte sein). Ich nehme an, dass sie der Grund dafür ist, dass ich noch heute sehr ungern aufgrund von Musik den Komponisten errate, während ich Autoren, Dichter, Geschichts- oder Literaturepochen begeistert aufgrund von Werken ermittle.
Im übrigen, ausserschulischen Leben habe ich viel aus negativen Erfahrungen gelernt und in meinem Bekanntenkreis scheint es nicht viel anders zu sein. Wenn man sagt, „daraus hat man seine Lehren gezogen“ oder „das wird ihr eine Lehre sein“ hängt das ja auch mit einem negativen Lernerlebnis zusammen.
Liegt es an unserer Undankbarkeit für das Glück? An unserem kritikorientierten Alltag? Oder unserer Angstgesellschaft?