Sonnenblumen

Ich habe eine kleine Denkaufgabe von Theres erhalten.
Meine Lerngeschichte:
1. Gehe in Gedanken in deiner Lerngeschichte zurück und vergegenwärtige dir Momente, von denen du sagen kannst: „Da habe ich etwas gelernt.“
Spontan fällt mir Herr Hari ein, mein Lehrer in der Rudolf-Steiner-Schule, den ich von der 1. Klasse bis zur 8. Klasse hatte. Am ersten Schultag hat er mir die Hand und ein paar Sonneblumenkerne gegeben. Er bat mich, sie gut aufzubewahren, es war ein Gedränge von vierzig Kindern in der Schulbaracke und es war anspruchsvoll für jedes, die Kerne zu hüten.
Ich durfte einen Blumentopf auswählen und ihn mit neuen, honigduftenden Wachskreiden (Marke: Stockmar) bemalen. Ich hatte genügend Zeit und kann mich an keinerlei Stress erinnern. Sobald ich mit der Verzierung zufrieden war, ging ich von meinem Platz aus nach vorne. Dort sass Herr Hari an einem Tisch, auf dem ein kleiner Berg von Tonscherben lag. Neben ihm stand ein schwerer Sack mit Erde, der beinahe so gross war wie ich selber. Herr Hari nahm meinen Blumentopf in die Hand, drehte, wendete und lobte ihn und fragte vielleicht sogar etwas nach. Er nahm eine Scherbe, legte sie auf das Loch im Topfboden und kippte mit einer kleinen Schaufel Erde darauf. Er bat mich, meine Kerne herauszuholen und die in die Erde zu legen. Als ich das getan hatte, legte wiederum er eine Schaufel Erde nach.
Alle haben ihre Töpfe auf die lange Fensterbank der Baracke gestellt, die Frühlingssonne schien warm darauf. Im Turnus hatten wir das „Ämtchen“ die Sonnenblumen zu giessen. Wenn es jemand vergass, wurde er von einem anderen aus der Klasse daran erinnert, denn wir hatten die Töpfchen den lieben langen Schultag im Blickfeld. Und wenn wir nicht da waren, konnten wir uns darauf verlassen, dass Herr Hari unsere Blumen goss. [Ich bin sicher, dass er die einen oder anderen neu gesetzt hat. ] Die Sonnenblumen aller vierzig Kinder wuchsen und standen in prachtvollster Blüte, als wir nach den Sommerferien in die Schulbaracke an der Effingerstrasse zurückkehrten.
Ende des Sommers konnten wir selber entscheiden, welche Kerne wir essen, welche wir neu pflanzen und welche wir den Vögel füttern wollten, sobald es gefrieren würde.

Bewertungskriterien

Ich zitiere zuerst die sechs „Leitfragen“ aus dem Leitfaden:
1. Sind die Rahmenbedingungen eingehalten?
2. Wird der Lernzuwachs, der Erkenntnisgewinn in den Darlegungen sichtbar?
3. Erkennt die Teilnehmerin die kritischen Phasen in ihrem Lernprozess?
4. Beziehen sich die Reflexionen auf relevante Aspekte der Ausbildung und der Lehrtätigkeit?
5. Werden aus den Überlegungen Schlussfolgerungen für das eigene Lehrverhalten und Unterrichten gezogen?
6. Sind die Darstellungen (Gedanken / Gefühle) für einen Aussenstehenden nachvollziehbar?
Dann zitiere ich die sieben Beurtielungskriterien, die ich auf einem weiteren Blatt erhalten habe:
1. Der Lernzuwachs und der Erkenntnisgewinn werden in der Darlegung sichtbar.
2. Die Verfasserin erkennt die kritischen Phasen in ihrem Lernprozess.
3. Die Reflexionen beziehen sich auf relevante Aspekte der Ausbildung und der Lehrtätigkeit.
4. Aus den Überlegungen werden Schlussfolgerungen für das eigene Verhalten gezogen und Optionen für das berufsspezifische Verhalten entwickelt.
5. Feedbacks werden so verarbeitet, dass handlungsleitende Imperative erkennbar sind.
6. Die Darstellungen (Gedanken/Gefühle) sind für einen Aussenstehenden nachvollziehbar.
7. Die Rahmenbedingungen sind eingehalten.
My way:
1. Dokumentiere ich innerhalb der Rahmenbedingungen?
2. Ist für jeden sichtbar und verständlich, was ich dazulerne?
3. Mache ich regelmässig Standortbestimmungen, auch in kritischen Phasen?
4. Reflektiere ich als Lernende und Lehrende?
5. Setze ich das Gelernte, speziell die Feedbacks der Kolleginnen und Kollegen, um?

Viel Ziel

Meine erste Frage ist die nach dem Ziel. Aber hier hats viele Ziele. Nach der Lektüre der gepostichten und gelochten, breit- und hochformatigen, weissen und farbigen Papiere, einmal in Prosa und einmal in Tabellenform und (fast) alles auch auf CD-ROM, möchte ich nur noch rufen:
Gebt mir einen waschechten Zielkonflikt!
Damit könnte ich umgehen. Aber die Abweichungen der Ziele sind nur ganz leicht. Die Aufgaben in den Aufgaben ganz ähnlich formuliert. Ich versuche es trotzdem, wie ich es meinen Lernenden empfehlen würde: Ziel eruieren und in Worte fassen. Nicht mehr als 10-Punkte, bitte. [Uff, knapp geschafft.]
Die Lerndokumentation:
1. ist eine Sammlung von Arbeiten der Kursteilnehmerin
2. steht in direktem Zusammenhang mit dem Kursgeschehen und der eigenen Lehrtätigkeit
3. dokumentiert die Entwicklung als Prozess während der ganzen Kursdauer
4. ermöglicht Schlussfolgerungen für das eigene Verhalten
5. schafft Optionen für das berufsspezifische Verhalten
6. erleichtert den Transfer in den Unterricht
7. dokumentiert den persönlichen Lernfortschritt.
8. illustriert den Prozess des Lernens und Verstehens
9. zeigt auch kritische Phasen auf
10. ist Arbeit an der eigenen Lernbiografie als Lehrerin

Einschreiben vom Chef?

Thema „Gesprächsführung“ im Rahmen Betriebs- und Verkaufskunde: Zum Start habe ich wieder einmal einfach so in die Klasse des zweiten Lehrjahres gefragt:
Was denken Sie, wenn Sie von Ihrem Chef unverhofft einen eingeschriebenen Brief bekommen?
Die Hälfte glaubte, es handle sich um die Kündigung des Lehrvertrages, die übrigen hielten den Brief für eine Vorladung, einige waren unentschlossen. Niemand glaubte, es sei etwas Positives, wie zum Beispiel eine Lohnerhöhung.
Noch nie habe ich auf diese Frage, ob sie schriftlich oder mündlich, in Gruppen oder einzeln gestellt wurde, eine wesentlich andere Antwort erhalten.