Pubertät

Vor zwanzig Jahren hatte ich mit dem Vater meines damaligen Freundes einen Riesenkrach. Er war und ist ein toller Mensch, 68er, Architekt beim Atelier5, er und seine Frau liessen uns viele Freiheiten. Trotzdem habe ich eines Tages dort die Türe geschmettert und das Haus (temporär) verlassen. Wir diskutierten, ob eine VitaminC-Tablette eine echte Orange ersetzten könnte. Es waren die 80er, Zaffaraya, Jute statt Plastik, Friedensbewegung, das ganze Programm. Ich habe verhement verteidigt, dass küstliche Vitamine natürliche nicht ersetzen könnten, er hingegen fand das eine Romantisierung. Der Auslöser für meinen Abgang war schliesslich, dass er gesagt hat: „wenn du älter bist, wirst du das anders sehen.“ Nun bin ich älter und esse auch Vitamintabletten und sehe es trotzdem nicht anders. Und die Langzeitstudien? Geben mir Recht. Ha!
Kommunikation in der Pubertät hat eine andere Dimension und hinterlässt Spuren. Daran versuche ich zu denken, wenn ich die Lernenden einfach nur noch schütteln möchte.

MSN Search

Die Arbeit online bringt neben viel Motivation, Amüsement und Lernzuwachs auch Schwierigkeiten: Nackenstarre, Migräne, Mausarm, Chaos in Zeitmanagement, Kommunikations- und Surf-Sucht. Für mich sind Neuigkeiten im Bereich Suchmaschinen die grösse Gefahr. Zum Beispiel heute fallen mir allpott neue Proben ein, auf die ich MSN Search unbedingt stellen muss. Laut Frank Patalong ist der offene Betatest von Microsoft sowie die Bitte um Mithilfe der User ein Novum. Schon wieder ein Wunder.

Blog-Pädagogik

Kind: Maaaaam?
Mam: Ja?
Kind: Ich habe Jüng bei der Wörterkiste geholfen.
Mam: Super. War ihr nachher alles klar?
Kind: Ja, aber dass man nicht gut, güter am gütesten sagen kann ist im Deutsch doof. Man muss es einfach auswendig aufsagen.
Man: Was denn?
Kind: Gut, besser, am besten, dänk. Bis man es kann.
Kind: Ich will Lehrer werden. Vielleicht.
Mam: Ist doch gut. Deine Tante wird sich freuen, sie möchte keine Paläontologen-Neffen.
Kind: Welches ist der beste Lehrer?
Mam: Wie meinst du das?
Kind: Der unten im Kindergarten oder der in der normalen Schule oder in der Kleinklasse oder der im Gymnasium?
Mam [beleidigt]: Also solche wie mich gibts auch noch. Die an der Berufsschule.
Kind [ungeduldig]: Ja, aber eben, welcher ist der Beste?
Mam: Keine Ahnung. Egal welchen du dir vorstellst, wenn du vor der Klasse stehst, wirst du überrascht sein.
Kind: Haben alle gleich viel zu tun?
Mam: Ja, gute Lehrerinnen und Lehrer haben immer viel zu tun. Aber schlechte können sich leichter durchschummeln als schlechte Kranführer oder Bus-Chauffeusen.

Pädagogik gehört wie Essen, Trinken, Exzesse, Neuanschaffungen und Depressionen ins Weblog: Diktatresultate , vergessene Schularbeiten , Söhne, die der Mutter kein Geld ausleihen, väterliche Mathe-Klausur-Stimmung oder einfach nur Ferienkommunikation.

Verlernt man (nie)

Ich habe mit Erstaunen festgestellt, dass ich noch immer schnell Bohnen rüsten kann. Damit gehört das in die Kategorie „verlernt man nie“, wie angehnem! Ich stell mal 13 + 13 zusammen.
Verlernt man nie (solange man unversehrt bleibt):
Lesen
Laufen
Sitzen
Schalten beim Auto
Tippen im 10-Finger-System
Bohnen rüsten (eben)
Schlafen
Gähnen
Reden (so das Wichtigste)
Schwimmen
Wickeln
Putzen
Abwaschen
Verlernt man verdammt schnell (wenn man es nicht regelmässig macht):
Excel
andere Softwareanwendungen
Schreiben von Hand
Billard
Kochen
Einkaufen
Kindergeburtstage ertragen
Google-Resultate interpretieren
Unterrichten
Purzelbäume
Snowboarden
Rad schlagen
Protokollieren

Morgens um sieben

Unterrichtzeug einpacken (PC-Raum! Disketten!)
Dem Kind sein Schulzeug einpacken helfen (Flöte! Badezeug! Bibliotheksbücher!)
Mein Schulzeug für DIK 1 einpacken (Lerngeschichte ausdrucken!)
Mail von Kunde X beantworten (Leitbild korrigieren!)
Poverty-Report an Kunde Y weiterleiten
iPAQ synchronisieren
„Alles was Recht ist“; Online? (auf WKS-Site! Den Stiften heute zeigen! s.o.)

Uff. Erledigt.

Gilles im Verkaufsgespräch

Lieber Gilles
33 Mal hast du an der praktischen Prüfung im vergangenen Juni Bücher gekauft. Du hast das Hin- und Her, das Notebookgetippe und die Hitze gelassen ertragen. Du hast dein Kundenprofil von Medizin über Kochbuch via Theologie bis zum Kinderbuch spielend geändert. Cool hast du im Bauch deiner Expertinnen-Mutter gesessen und dich schlau machen lassen von den engagierten Lehrlingen der Abschlussklasse, von denen nicht eine/r ungenügend war beim Verkaufsgespräch.
Seit dem 9. Oktober bist du nun auf der Welt. Willkommen! Grüss mir deine Expertinnen-Mutter und rüste dich für die nächste Runde, die LAP-Planung hat schon begonnen.