Rückbesinnung

Nie im Leben habe ich so intensiv gearbeitet. Doch stimmt das? Die Phase, in der mein Sohn und andere Kinder an meiner Seite aufwuchsen, mein Mann eine eigene Firma hatte und ich selber eine grosse Abteilung in einer Buchhandlung leitete, Lernende in zwei Berufen ausbildete, Chefexpertin für Buchhandelsprüfungen in der halben Schweiz war und ehrenamtlich in zwei Vorständen und beim IKRK in einem Integrationsprojekt, dazu den grössten Teil des Haushalts stemmte und alle sozialen Beziehungen zu pflegen versuchte, brav regelmässig Weiterbildung und Einkäufe mit dem Veloanhänger machte, war objektiv anstrengender.

Vielleicht ist es das Alter, vielleicht die ständige Präsenz, die mich heute herausfordert? Was macht den Unterschied? In der Zeit zwischen den Jahren holte ich die Fotoalben aus der oben beschriebenen Lebensphase hervor und damit erstaunlich präsente innere Bilder.

Wir hatten ein Mobil Home nahe am Meer gemietet und ausnahmsweise auswärts gegessen, um den Kindern einen ausgedehnten Abend im Spielpark in einer nahe gelegenen Stadt zu ermöglichen und Glace in allen Farben zu kaufen. Nun schauten wir hinaus auf die Wellen, während uns ab und zu die Gischt anspritzte. Ich war froh, waren wir gesund und beisammen. Den dreien geht es heute, fast 20 Jahres später, meistens gut. Das jedenfalls liessen sie mich im Dezember auf Nachfrage wissen. Das Mädchen ist Assistenzärztin, sie wird Gynäkologin. Ihr Bruder ist Chemiker und arbeitet auch als solcher, mein Sohn (der Älteste im Bild) hat einen Bachelor in Pflege gemacht, war fast einen Fünftel seines Lebens in der Psychiatrie tätig und studiert jetzt Volkswirtschaft. Die drei machen mir klar, wie wichtig es ist, das Kräftezehrende der Vergangenheit zu vergessen. Auch wenn ich meine Arbeit heute als anspruchsvoller und herausfordernder erlebe denn je, wird es mir in der Retrospekive wohl ähnlich ergehen. Eines hat sich nicht geändert: Ich suche im Moment nicht sein Problem, sondern sein Potential. Dabei habe ich mit dem Alter gelernt, von anderen weniger zu erwarten und mehr zu nehmen, was kommt. Und das ist viel.

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