Always on the run!

Als Chronistin meiner selbst agierend halte ich hiermit mein Abschiedsmail an alle Mitarbeitenden der Schule fest:

    Subject: Always on the run! But with enough time for fun!

Morgen ist mein letzter Arbeitstag. So schön, konnte ich viele von euch noch persönlich verabschieden!
Ich war 22 Jahre für die WKS KV Bildung tätig, 16 Jahre davon als Lehrperson und 13 Jahre in der Leitung der Grundbildung. In einer solchen Zeitspanne verändert sich fast alles, das ist gut so. Ich hatte stets Ziele für die Schule, für meine Abteilungen und natürlich auch eigene. Gewisse habe ich erreicht, andere nicht. Sicher ist, dass ich jeden Tag dazulernen konnte, und das liegt an euch! Ich bin von Herzen dankbar für unsere gemeinsame Arbeit, für jede Frage, jede Rückmeldung, für Harmonie und Konflikte gleichermassen. Seit jeher suche ich nach Tätigkeiten, bei denen ich mich einbringen und (hoffentlich) zu einem besseren Menschen entwickeln kann. Hier habe ich sie in ihrer ganzen Vielfalt gefunden.
Nicht nur für mich wollte ich sinnvolle Aufgaben, sondern für alle. Von der Reinigungsequipe bis zur Lernenden in der hintersten Reihe.
„Always on the run!“ weiterlesen

Corona News V

„Ich sitze im Büro und höre Simon & Garfunkel – tja, Corona macht komische Dinge mit einem.“ So beginnt mein neuer Newsletter ans Kollegium. Ich habe Musik im Ohr, die ich seit Jahrzehnten nicht mehr gehört und niemals vermisst habe. Gestern sagte ich mir aus dem Stegreif ein Goethe-Gedicht aus der Oberstufe auf, an welches ich nie zuvor gedacht hatte. Entweder ist das eine Quarantänedemenz oder eine Flucht aus der Welt voller Calls, die alle wichtig sind und meine Kapazitäten doch überfordern.
Mit der Fachhochschule nutze ich webex, mit der Partei und der Familie meistens ZOOM, ebenso in Arbeitsgruppen zu den Lehrabschlüssen, die 2020 ganz anders stattfinden. Die Online-Prüfungen selber machen wir jedoch ausschliesslich über Teams, darüber führe ich auch die Lehrpersonen und werde selbst so geführt. Gespräche mit Lernenden mache ich ebenda. Dabei muss ich extrem aufpassen, keine Channels zu verwechseln, die Vielfalt von Banalitäten bis Sensibilitäten ist einfach zu gross. Im Genossenschaftsrat, den ich präsidiere, sind wir mit allem unterwegs, Eigenkreationenen, Google hangout, ZOOM, Teams und Jitsi sowie alle Social Media, die mir je begegnet sind.
Als mein langjähriger Yogalehrer mir einen Link fürs morgendliche Hatha sandte, brauchte ich eine ganze Woche, um die paar englischen Worte zu finden, um mich zu bedanken und für die freundlichst dargebotenen Online-Stunden bis auf weiteres zu entschuldigen. Ja, es geht vielen so. Ausser denen, bei denen nichts mehr geht. Menschen ohne Arbeit und umso mehr Ansprechpersonen mit wenig Zeit, mit chronischen Krankeiten, mit Kindern, die schon vor Corona Timeouts und Troubles hatten, solche, die schon vor dem Lockdown nicht klarkamen mit all den Formularen und jetzt mit den ins Internet verlegten Ämtern vollkommen am Anschlag sind – von ihnen höre ich auch vieles und habe ein schlechtes Gewissen, weil ich so kurz angebunden antworte.
Was mir hilft: Jeden Tag mehrmals das Hamsterrad anzuhalten, um die Prioritäten auf Sinn und Richtigkeit zu überprüfen. Jeden Tag mehrmals daran zu denken, dass alle, die mir begegnen, ihren eigenen Kampf kämpfen, von dem ich nicht die geringste Ahnung habe.

Corona-News I

Mich beschäftigt das Thema persönlich seit letzten Dezember. Mit einem in einer asiatischen Firma und international tätigen Mann und einem Sohn in der Pflege liegt das nahe.
Es gehört zu den interessantesten Erfahrungen meines Lebens, wie das Virus sich mir genähert hat. In den letzen zwei Wochen ging es schnell und heute befinde ich mich in der noch ungewohnten Lage, dass es mich 24/7 beschäftigt. Deshalb für die Chronik ein kurzer Bericht aus der Leitung einer Berufsfachschule in Bern:
Vor zwei Tagen wurden Präsenzveranstaltungen in Schulen vom Bund verboten. Wir haben an der WKS KV Bildung zwischen Freitag und jetzt auf Distanzlernen umgestellt, das heisst: Über 100 Lehrpersonen haben über 2000 Lektionen vorbereitet, was genau für eine Woche reicht. Für Lehrpersonen ist die Schule vorerst noch zugänglich, bei Besuchen werden die BAG-Regeln zum Schutz eingehalten. Die Arbeitsplätze sind übers Wochenende desinfiziert worden. Wegen eines Verdachtsfalles befindet sich die Bereichsleitung unserer Grundbildung, also auch ich, momentan vollständig im Home-Office (mit Citrix, Office 365 und Lernplattform). Von hier aus leite ich zweieinhalb Abteilungen und beantworte die Fragen der Anspruchsgruppen in folgenden Themenbereichen gem. Vorgaben (und bei Unsicherheit mit Rücksprache bei einem Kollegen):
• Ob etwas stattfinden wird oder nicht, Verschiebunsanträge
• Alles die Branchen (Berufsgruppen) betreffende
• Rechtliches
• Finanzielles
• Persönliches
Natürlich auch Fragen zur Durchführung des Unterrichts auf Distanz, wobei ich hier voll und ganz auf unsere engagierten Fachverantwortlichen zählen kann und im technischen Bereich auf unseren internen Support. Im Moment haben wir noch weniger Krankheitsfälle als bei normalen Grippenwellen und alle Partnerinnen und Parner der Schulleitung zeigen – bei richtigem Abstand – vollen Einsatz.
Weiter bin ich verantwortlich für die Kommunikation innerhalb des Bereiches Grundbildung. Dazu gehört auch Grundlegendes wie die Auswahl der Kanäle und die Bestimmung ihrer Reihenfolge, falls einer zusammenbrechen würde. Bis jetzt läuft alles gut, ein Knackpunkt, der mich beschäftigt, ist die Rekonstruierbarkeit des Geschriebenen bei all den Medienbrüchen. Solange unser Schwerpunkt im logistischen Bereich liegt, ist die Lage überschaubar. Wenn es emotionaler wird, wird’s nochmal sehr anders. Sollten Menschen aus unserer Schule ernsthaft erkranken oder Prüfungen, die für die Berufsabschlüsse relevant sind, verschoben werden müssen, wird das zu neuen Herausforderungen führen. Darüber denke ich im Moment viel nach, wissend, dass ich unvorbereitet bleiben werde.
Persönlich schätze ich – Verblendung nicht ausgeschlossen – dass wir beste Voraussetzungen haben, diese Krise gut zu bewältigen. Wir sind ja hierzulande als zu kontrolliert verschrien, zu wenig emotional, eher unlustig und zu lange zu viel Abstand haltend. Ich weiss, dass viele unsere Zivilgesellschaft als noch zu sorglos empfinden, aber im Bereich Ansteckung verlangsamen und Versorgungslage verbessern kommt uns unsere Rot-Kreuz-DNA ziemlich entgegen.

Reflexion 2019: Ehrenamtliches

Der ehrenamtliche Einsatz in der Schweiz ist enorm. Die Carearbeit, die Aktivitäten in Sport, in Quartieren und Gemeinden wie auch in der Berufsbildung und Politik wären ohne sie undenkbar. Ohne Freiwilligenarbeit wäre das hier ein anderes Land und keines mit direkter Domokratie. Entsprechend sehe ich mich als Rädchen im Getriebe.
Dieses Jahr investierte ich meine Freizeit hauptsächlich in die Republik, die sich gut entwickelt und entgegen Berfürchtungen gerade ihren zweiten Geburtstag erlebt. Die Republik ist zur Hälfte ein Produkt der Genossenschaft Project R, die ihrerseits einen Genossenschaftsrat hat, zu dessen Präsidentin ich vor rund einem Jahr gewählt worden bin. Ich konnte das, was ich bei meiner Bewerbung und in meinem Online-Wahlkampf ums Präsidium darlegte, 2019 umsetzten. Der Genossenschaftsrat ist für mich ein besonderer Glücksfall, seine 27 Mitglieder kommunizieren so überlegt, sorgfältig und zielgerichtet, wie ich es von vergleichbaren Gremien nicht kannte. Ich lerne von jeder Gruppe und in jedem Team sehr viel – und doch merke ich, dass ein Austausch, wie ich ihn hier erlebe, Missverstänisse früher ans Licht bringt und Rückschläge erträglicher macht. Die Mühe, den Genossenschaftsrat so divers wie irgend möglich zusammenzusetzen, hat sich gelohnt.
Konkret haben wir fünf Arbeitsgruppen im Einsatz: Zukunftsprojekte, Kritik-Forum, Kommunikaiton, Marketing sowie Finance und Legal, Interessierte finden die Details in Berichten aus unseren Sitzungen. Als Aufgabe des ersten Präsidialjahres nahm ich mir die Dokumentation unserer Arbeit, die Online-Kommunikation innerhalb des Rates und den effizeinten Umgang mit To-do-Listen vor. Die Koordinationstools, die wir wählten, funktionieren nach einer Einführung mit genügend Zeit und Support für alle, das war 2019 das Wichtigste. Mich animierte dieses Amt zu vielem wie beispielsweise, mich in die Materie konsolidierte Jahresrechnung und Pflichten einer Revisionsstelle einzuarbteiten. Oder zur Lektüre von Artikeln, deren Themen mir fremd waren, die mich dann wiederum inspirierten, weitere Bücher zu lesen oder an Diskussionen teilzunehmen.
Danke denen, die sich sich für die Erneuerung, ein Monataabonnement oder für eine Mitgliedschaft entschlossen haben! Ein leserfinanziertes Medium ist und bleibt eine Waghalsigkeit. Und danke all jenen, die sich bei mir persönlich mit Feedbacks gemeldet und sich an den Debatten beteiligt haben. Mir ist neben der Republik kein Medium bekannt, das Onlinediskussionen auslöst und beheimatet, deren Qulaität (Inhalt wie Tonalität) derart haltbar ist. Dazu beizutragen und davon Teil zu sein macht mich stolz.
Und nun ein frohes neues Jahr! Mit einem Hoch auf alle Arbeit, die mit anderem als Geld vergolten wird. Vielleicht gar mit einer besseren Welt?

Genossenschaftsrat September 2019

Gruppenbild vor der Genossenschaftsratssitzung im September 2019

Reflexion 2019: Privates

Eine feinsäuberliche Trennung zwischen privat, beruflich und ehrenamtlich ist in meinem Leben nicht möglich, auch wenn ich natürlich zwischen persönlich und professionell unterscheide.
Mich hat dieses Jahr viel Berufliches auch privat beschäftigt, auch das aus anderer Leute Berufe. Besonders meine Schwester und mein Sohn waren unerwartet oft mit Extremsituationen konfrontiert, haben dabei Enormes geleistet und viel Resilienz bewiesen. Meine Schwester steht als Heilpädagogin und Care Giverin in Notfallsituationen unter Schweigepflicht, genau wie mein in der Psychiatrie tätiger Sohn. Deshalb kenne ich weder Details noch könnte ich mich äussern. Ihre Arbeit führte mir 2019 viele gesellschaftliche Zusammenhänge vor Augen und half mir, auch in meiner die richtigen Fragen zu stellen und Entscheidungen zu treffen.
Dieses Jahr belasteten mich Krankheiten, Schicksalsschläge und Todesfälle. Teilweise doppelt, weil Privates und Berufliches sich überschnitt. Das forderte Demut und Disziplin und ganz profan: Stellvertretungen. Ich empfinde mich als dankbaren Menschen, ich sehe das Gute, das Schöne und stets die Erleichterungen, die das Leben in diesem wohlhabenden, demokratischen Land mir bringt. Und doch erschien mir 2019 gar vieles ungerecht, grundlos und steinig.
Ein wunderbares Fest zum 50. Geburtstag vom Mann und mir im September hat gute Erinnerungen in Hülle und Fülle hinterlassen. Dass im Freundeskreis einige von einem Highlight 2019 sprechen, geht uns schon ans Herz. Ich sprach dort erstmals vor über hundert Leuten, die mir alle nahe stehen. Ein ganz neues Gefühl, so ohne tausend Anspruchsgruppengedanken frei von der Leber weg zu palavern. Die gemeinsame Organisation (die wir ja mangels Hochzeits- und Tauffest zum ersten Mal machten) hat uns als Ehepaar gelehrt, was uns wichtig ist. Uns wurde bewusst, wie viele Weggefährten stets an unserer Seite waren, wie viele Freundinnen uns so lange begleiten. Und wen wir verloren haben. Und wie wir zu unseren Familien stehen und sie zu uns. Dieser Anlass in wunderbarem Ambiente mit zugeneigten Gästen und hinreissenden musikalischen Einlagen machte mein Glück sichtbar: Unverbrüchliche Familienbande, gerade auch in der nächsten Generation. Langfristige Freundschaften, so stärkend wie unterschiedlich.
Es bereicherten unzählige kleine Ereignisse mein Jahr – zum Beispiel dieses: Zu Weihnachten rief mich ein junger Mann an, der mich als Vierjähriger im Sandkasten vor dem Hochhaus zur Freundin auserkoren hatte und mir fortan wann immer möglich folgte. So war er als Kind oft bei uns, und später besuchten wir ihn regelmässig im Schulheim auf dem Land. Trotz aller Krisen gelang es irgendwie, den Kontakt zu behalten, manchmal durch Zufall oder weil ich ihn über Social Media wiederfand. Meist blieben meine Nachrichten ohne Antwort; manchmal wusste ich auch nicht, ob sie überhaupt die richtige Person erreicht hatten. Nun war ich so froh zu hören, dass er jetzt, zu seinem 25. Geburtstag, nach einem schrecklich schweren Leben einen Weg gefunden hat und zuversichtlich ist. Im Januar sollten wir uns sehen, es wäre mir eine Reisenfreude.
Über Berufliches und Ehrenamtliches möchte ich im alten Jahr und an dieser Stelle auch noch nachdenken.

Weihnachtsaussicht 2019

Dezember-Lieblingsbild: Analyse des Himmels am Weihnachtsabend.

Mein erstes Mal im Engadin

Die Schweiz hat viele Einwohnerinnen und Einwohner, die sie nicht besonders gut kennen. Ich gehöre auch dazu. So begab es sich, dass ich dieser Tage erstmals das Engadin besuchte. Natürlich hatte ich schon mehr als den Wikipediaeintrag darüber gelesen. Viele Menschen aus der Gegend sind mir bekannt, weil sie unsere Landessprachen, unsere Literatur und Politik stark geprägt haben. Und die Erzählungen aus meinem begeisterten Freundeskreis sind immer inspirierend! So ist aus dem Ausflug eine bezaubernde Begegnung geworden.

Wanderweg über Scuol

„Mein erstes Mal im Engadin“ weiterlesen

Zum Schuljahresende

Die Diplomfeiern sind vorbei und es war wieder wunderschön. So viele Prüfungen waren absolviert und bestanden worden, hunderte von Jugendlichen ziehen nun mit ihren Diplomen weiter. Die Feiern meiner Abteilungen gingen mir natürlich besonders nah. Beim Fest mit den Buchmenschen eröffnete eine Absolventin mit Gesang und Gianna Molinari las aus „Hier ist noch alles möglich“ wie auch Fragmente, aus welchen vielleicht dereinst Bücher werden. Bei den Fachleuten Kundendialog gab es ebenso lebendige Auftritte – mehrsprachig und anrührend. Gar nicht so einfach, sie alle gehen zu lassen!
Es gab schwierige Momente für mich in den letzten Wochen und in meinen verschiedenen Rollen, aber davon ein anderes Mal, ich brauche etwas Distanz. Zuerst mache ich Ferien, der Mann und ich nehmen zwei grosse Taschen Lektüre mit. Darunter zeitgenössische Literatur, Sachbücher und Fachzeitschriften von Aviatik über Feminismus bis Populismus und Theologie und zwei Bände aus Eigenverlagen, die Buchhandels-Azubis selber geschrieben haben. Da freue ich mich drauf.
Ich wünsche allen warme Tage und den Kranken Genesung, besonders das.

Buchauswahl zum Abschied

Frauenstreik 2019: Tagebuch 14.06.

Morgens um 7 in Neuenegg
Mein Streiktag begann 06.50 in Neuenegg. Die Initiantin dieser Aktion war von der Gemeinde aufgefordert worden, das selbstgemachte Streikplakat von ihrem eigenen Balkon zu entfernen. Dies mit der Begründung einer fehlenden Baubewilligung und weil es die Verkehrssicherheit tangiere. Mein Start auf dem Dorfe verschaffte mir die Gelegenheit, mehrmals die Frage nach dem „warum gerade da?“ zu beantworten und diese typische Geschichte zu erzählen, die sich immer und überall in der ländlichen Schweiz so zutragen könnte, wenn eine Frau eine nicht opportune Meinung kundtut. Dank Internet können wir fadenscheinige Argumente heute parieren, kommunizieren schneller und lassen uns weniger auseinanderdividieren – ich empfinde das als grossen Fortschritt. (Bild: Franz Schweizer, Kultur Neuenegg.)
Um 11.00 Uhr traf ich dann die wichtigsten Frauen in meinem Leben am Bärenplatz in Bern: Meine Mutter und meine Schwester. „Frauenstreik 2019: Tagebuch 14.06.“ weiterlesen

Frauenstreik 2019: Statusmeldung

Emotionen: Ich bin überwältigt und desillusioniert zugleich. Das vorherrschende Gefühl ist Dankbarkeit all den Frauen von Genf bis zum Bodensee, von Basel bis Bellinzona, die das überhaupt möglich gemacht haben. Organisieren, überzeugen, schreiben, verfassen, verhandeln, planen, fundraisen, beauftragen, nachfragen, beantworten, beschwichtigen, wiedererwägen, motivieren – nicht für eine Woche, sondern über Monate hinweg, Tag und Nacht. Mobilisierung braucht enorm viel Kraft und es bleibt bis zum Ereignis ungewiss, ob diese Energie je wieder zurückkommt. Eine halbe Million Menschen waren am vergangenen Freitag auf der Strasse für mehr Lohn, Zeit und Respekt für Frauen.
Drei Tage später bin ich ermattet von den blöden Sprüchen zum Streik, den ständigen Witzen auf Kosten der Frauen, den vielen Männern, die diese zwar doof finden, aber schweigen. Was Coline de Senarclens „ridiculiser les organisatrices et les femmes en général“ nennt und rhetorisch beeindruckend erklärt, dass wir uns davon nicht beirren lassen, geht mir an die Nieren. Dennoch werde ich die Forderungen wiederholen, mithelfen, sie politisch und rechtlich zu erstreiten, die Kinder und Jugendlichen dazu anhalten, das Gleiche zu tun. Chancengleichheit in einem wohlhabenden, friedfertigen Land, in dem alle Menschen sich auf Augenhöhe und ohne Überheblichkeit und Vorverurtreilungen begegnen, das wäre meine Vision. Und ich wünschte mir letzte Tage hienieden, wo mir ein Jugendlicher mit violett lackierten Fingernägeln mal glucksend, mal weinend aus einem gedruckten Buch vorliest und eine Palliativmedizierin an meinem Bett ihr Baby stillt, während sie mich geduldig über die Stationen meines Ablebens informiert.
(Streiktagebuch folgt.)